Tierarztpraxis am Atzelberg
Dr. Jeannette Pfeffer

Aktuelles / Blog

Außergewöhnliche "Dr. House-Fälle" aus der Praxis & aktuelle Termine
Bitte beachten Sie: Es handelt sich um medizinische Berichte, die teilweise verstörende Bilder von z.B. Operationen enthalten können.

Die "Süderkrankungen" des Hundes

Da dieses Thema sehr hohes Interesse weckt, hier ein Artikel über die "Süd"- oder "Reisekrankheiten" des Hundes. 

Leider sind die Erkrankungen bei uns hier in Deutschland inzwischen heimisch, da die Vektoren hier leben (Zecken, Sandmücke usw.).

Reisekrankheiten/Süderkrankungen des Hundes

Babesiose

Erreger: Babesia canis und Babesia Gibsoni

Die Erreger bezeichnet man al Protozoen. Sie dringen in die roten Blutzellen des Tieres ein, dort vermehren sie sich. Irgendwann platzt die rote Blutzelle (=Eryhtrozyt) und die Erreger fluten das Blut des Tieres. Dies geschieht bei vielen Blutzellen, so das es zu einem Mangel an diesen Zellen kommen kann, das nennt man dann Anämie (=Blutarmut). Der Erreger kommt weltweit vor.

Hier in Deutschland – wie auch im europäischen Umland – wird der Erreger von der braunen Hundezecke übertragen (Rhipicephalus sanguineus).

Die Inkubationszeit (=Zeit zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome) liegt bei 10-21 Tagen.

Die Symptome sind Leistungsabfall, Schwäche, vermehrtes Schlafen, Fieber, Blässe und verfärbter Harn. Die Leistungsminderung und die Müdigkeit entstehen durch einen deutlich verminderten Sauerstofftransport, da die roten Blutzellen dafür zuständig sind und diese Funktion dann nicht mehr ausreichend übernehmen können. Daher kann es auch zu Hecheln, erhöhter Herzfreuquenz und Futterverweigerung kommen. Aufgrund der hohen Menge an zerstörten Blutzellen, kommt es auch zu einer erhöhten Blutungsneigung, so dass Punktblutungen auf den Schleimhäuten oder Gelbsucht auftreten können (da die Abfallstoffe der zerstörten Zellen ja abgebaut werden müssen).

Der Erreger lässt sich im Akutstadium meist nur über PCR nachweisen, erst nach ca. 14 Tagen sind auch die Antikörper nachweisbar! Hat der Hund also das erste Mal Symptome, sollte immer zuerst die Erreger-PCR gemacht werden! Auch im Blutausstrich findet man den Erreger in den roten Blutzellen, dort stellen sie sich als paarweise vorkommende, birnenförmige Organismen dar.

Die Behandlung erfolgt mit 2 Injektionen von Carbesia™, Imidocarb. Das Mittel kann Nebenwirkungen mit sich bringen, so das ca. 20 Minuten im Umfeld der Praxis verweilt werden sollte. Es kann notwendig sein, das Tier mit Infusion und anderen Medikamenten zu versorgen, um es aufzufangen.

 

Leishmanien

Erreger: Leishmania spp.

Leishmanien sind Flaggelaten, die bei Tieren und Menschen Erkrankungen der Haut, Schleimhaut oder im Magen-Darmtrakt hervorrufen.

Reservoir der Leishmanien sind Nager, der Vektor (=Überträger) sind Sandfliegen (heissen so, weil sie sandfarben sind). Die Sandfliege sticht den zukünftigen Wirt und überträgt dabei den Erreger. Im Körper des Wirtes infizieren diese die Freßzellen (Makrophagen), die eigentlich für den Abbau von Schadmaterial zuständig sind.

Die Inkubationszeit liegt bei drei Monaten bis zu sieben Jahren (!).

Die Entwicklung des Erregers im Wirt führt zu einer deutlichen Antwort seines Immunsystems, was wiederum massive Auswirkungen auf den eigenen Körper hat (Entzündung der Gelenke (=Polyarthritis), Entzündung des Nierengewebes (=Glomerulonephritis).

Typische Symptome sind Gewichtsverlust, trotz intaktem Appetit, Aufnahme großer Mengen Flüssigkeit, Absetzen großer Mengen von Harn, Muskelschwund, Depression (Müdigkeit), Erbrechen, Durchfall, husten Niesen, Blut im Stuhl, oft auch Fieber und Gelbsucht, Schuppenbildung der Haut, Veränderungen auf den Schleimhäuten (Knoten, Ulzera usw.), den Ohrmuscheln und Pfotenballen.

Auch hier kann das Erbgut des Erregers durch eine PCR nachgewiesen werden, aber auch in Abklatschproben können Vorstufen des Erregers nach Anfärben direkt nachgewiesen werden.

Eine völlige Elimination des Erregers ist nicht möglich! Normalerweise kombiniert man Allopurinol mit Antimon. Auch Zyklen mit Amphotericin B können helfen.

 

Ehrlichien

Erreger: E. canis

Die Übertragung erfolgt durch die braune Hundezecke. Die Zecke muss an einem Hund Blut saugen, der eine akute Ehrlichiose im Blut hat, um diesen aufzunehmen und dann auf ein anderes Tier übertragen zu können.

Die Erkrankung kann akut, subklinisch und chronisch verlaufen.

In der akuten Phase wandern befallene Freßzellen in das Blutgefäßgewebe ein und verursachen so eine Entzündung der Blutgefäße. Diese Phase beginnt 1-3 Wochen nach der Infektion und dauert 2-4 Wochen.

Die subklinische Phase kann Monate bis Jahre andauern. Teils wird der Erreger in dieser Zeit vom Körper des Tieres ausgemerzt, teils überleben Erreger und der Verlauf wird chronisch.

Da die Blutplättchen bei dieser Krankheit stark gefordert sind (sie decken Schäden in der Blutbahn ab) und werden irgendwann nicht mehr in ausreichendem Maß nachgebildet (Ermüdung), so das es zu Blutungen kommen kann und blassen Schleimhäuten.

Wassereinlagerungen können die Atmung erschweren (Lungenödem), so das es zu Husten und Infektionen der Lunge kommen kann. Oft kommt es zur Aufnahme großer Wassermengen und daraus folgend auch zum Absetzen großer Harnmengen. Manche Hunde entwickeln ein Nierenversagen.

Es kann auch zur Entzündung zahlreicher Gelenke kommen, so daß es zu Steifigkeit, Bewegungsunlust und geschwollenen, schmerzhaften Gelenken kommen kann. Das Auge kann ebenfalls betroffen sein, so daß es auch zu einer Netzhautablösung kommen kann. Ebenso das zentrale Nervensystem (Ataxie (ungleichmäßige Bewegung), Lähmung, Nystagmus (permanente Augenbewegung in der horizontalen oder vertikalen), Krämpfe).

Der Erreger kann im Blut direkt oder anhand seines Erbgutes nachgewiesen werden (PCR). Oft kommt es zu diversen Veränderungen im Blutbild.

Die Erreger lassen sich mit Doxycyclin gut behandeln.

 

Herzwurm (Dirofilarien)

Erreger: Dirofilaria immitis

Der Herzwurm wird durch Stechmücken übertragen. In der Mücke kommt es zur Umwandlung des Wurmes (Häutung), nach zwei Häutungen erst kann die dritte Larve während einer Blutmahlzeit übertragen werden (dazu ist eine ca. 4 Wochen andauernde Temperatur von über 19 °C notwendig!).

Ca. 100 Tage nach der Infektion dringen die jungen Herzwürmer in das Gefäßsystem ein, wo sie dann in die hinteren Lungenlappen einwandern. Fünf bis sechs Monate später erst produzieren die weiblichen Herzwürmer Eier.

Die Würmer verursachen einen lungenbedingen Überdruck, da sie bevorzugt in den Pulmonalarterien leben und in diesen Gefäßläsionen verursachen. Die Anzahl der Würmer ist nicht ausschlaggebend für die Symptomstärke, sondern die Interaktion von Wirt und Wurm sind entscheidend.

Je mehr Würmer vorhanden sind, desto schneller wandern sie in Richtung Herz und dann auch schließlich in dieses hinein.

Das Herzproblem führt früher oder später zu einer chronischen Leberstauung und kann dann eine Leberzirrhose verursachen.

Der Wurm wird über einen Antigentest nachgewiesen.

Die Würmer können operativ entfernt werden, oder über ein passendes Antiparasitikum. Kommt es jedoch bei einem starken Befall zu einem plötzlichen Freiwerden grosser Wurmmengen, kann dies zu einem Verschluss von Gefäßen führen, resp. zu einer Lungenembolie.

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